100 KM - Biel 2003 - das Ende einer langen Lauf Nacht Durch irgend einen (dummen) Zufall habe ich vom 100KM Lauf von Biel gehört. Für dieses "Abenteuer" habe ich gezielt auf die Nacht der Nächte hintrainiert und so kam endlich was kommen mußte: Freitag, der 13. Juni 2003!   KM 000: Start soll um 22:00 Uhr sein (Zielschluss 20:00. Also 22 Stunden Zeit zum ankommen). Es gibt vier Teilstrecken, nach jeder kann man abbrechen und kommt trotzdem in die Wertung. Also geradezu ideal für den ersten "Ultramarathon". Man läuft einfach so weit man will oder kann und hört dann auf. Genau so hatte ich mir das auch vorgestellt. Viele Teilnehmer in Biel organisieren sich eine Radbegleitung und versorgen sich vom Fahrrad aus fast selbst. Gerade bei außergewöhnlichen Bedingungen ist die Hilfe von einem Coach ein enormer Vorteil. Bei Wärme jederzeit und in kleinen Mengen trinken zu können oder rasch was zum Anziehen parat zu haben wenn es kühler wird oder nach einem Regenschauer auf trockene Kleidung zu wechseln, das kann den entscheidenden Punkt zur Überlegenheit liefern. Um so mehr ist das Kunststück derer zu bewundern, die ganz auf sich gestellt die Strecke angehen. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Laufstart ist mein Coach Team mit dreihundert weiteren Radfahrern von der Polizei eskortiert auf einer gesperrten Straße in Richtung Aarberg aufgebrochen, um sich hier in das inzwischen auseinander gezogene Läuferfeld einzuordnen. 27° Grad am Start um 22:00 Uhr. Die Temperatur machte am Ende eines sehr heißen Tages allen  zu schaffen. Kaum zu glauben,  die Bedingungen im Vorjahr waren bedeutend besser und damals sprach man von einem Hitzerennen. Der Startschuss fällt pünktlich um 22:00 Uhr. Ich dachte, bei so  einem Lauf gehen nur die besten und durchtrainiertesten Läufer an den Start. Was für ein Irrtum, es sind alle Altersklassen vertreten, und vor allem alle Gewichtsklassen.   KM 005: Durch die Hitze wurde der Versorgungsstand bei Kilometer fünf regelrecht gestürmt. Trinken war das wichtigste Gebot um gut durch die Nacht zu kommen. Doch die aufgenommene Flüssigkeit  verursacht auch Probleme, nicht jeder Magen verträgt dies gut und selbst  Favoriten mussten mit Bauchschmerzen bzw. Magen- Darm Problemen aufgeben, andere quälten sich mit vielen Unterbrechungen über die Distanz. Der Vollmond taucht die Landschaft in ein schönes Licht, umspielt von der einzigartigen Dunkelheit der Nacht. Leider kühlte es einfach nicht ab, an einen einfachen angenehmen Lauf war nicht zu denken. KM 018: Nach 18 Kilometern macht sich der nächste Ort mit seiner Geräuschkulisse bemerkbar. Zunächst geht es über eine urige Holzbrücke mit einer kunstvoll verzierten Schindeldachkonstruktion. Wenige Meter dahinter folgt der  Marktplatz von Aarberg, der von liebevoll gepflegten alten Stadthäusern gesäumt wird. Es ist bereits tiefste Nacht, aber der Platz ist an diesem warmen Sommerabend  voll mit Menschen, die an langen Bank- und Tischreihen vor den Gastwirtschaften sitzen und  Bier trinken oder am Straßenrand stehen und den Läufern zu jubeln. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Gruppe "Hopp-Hopp" Ruferinnen, die richtig Stimmung verbreiteten, und gehörig Szenenapplaus aus Läuferreihen dafür kassierten. In Aarberg stießen auch die Radfahrer zu den Läufern. Ein Gutes hatte der Radtroß in der Dunkelheit: schon von Weitem konnte ich vor mir liegende Steigungen gut ausmachen, die wie an einer Kette aufgereihten Rücklichter wiesen mir den Weg bergauf. Unterwegs hatte ich eine angenehme Mischung aus Unterhaltungen und Ruhe, obwohl das Feld in den ersten Stunden noch relativ dicht war. Ich lief, genoß, flirtete mit dem Mond. Mir ging's (zu diesem Zeitpunkt) einfach nur gut. KM 030: An viele Details kann ich mich nicht mehr erinnern, der Lauf durch die Nacht war geprägt  durch Ruhe und Einsamkeit. Überwiegend Strassen, ein paar Feldwege. Weiter geht es, leicht wellig, ab und an auch eine richtige Steigung. An ein richtig steiles Stück kann ich mich erinnern. Meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt: "Wenn  von diesen Steigungen noch einige kommen, dann wird das niemals etwas mit den 100 KM".   An den gut ausgestatteten Verpflegungsstellen, die etwa alle 5 Kilometer eingerichtet sind,  halte ich mich immer nur kurz auf - vor den vorausgesagten 30°  Grad Hitze an nächsten Tag,  habe ich doch ganz schön Respekt. Neben Wasser werden Sportlertee und isotonische Getränke, an einigen Stationen auch Cola und Brühe angeboten; bei der festen Verpflegung reicht die Palette von Bananen-, Orangen-, Graubrot- und Kuchenstücke bis zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Müsliriegel sowie Cornflakes -artigen Flocken, die wohl mit Magnesium angereichert sind. An der Station angekommen also das übliche Ritual: Wasser trinken, Banane essen, Brot und einen Becher Wasser schnappen und im Weitergehen essen. Irgendwie bin ich einfach nur glücklich. Wie viele Stunden ich schon unterwegs bin ist mir gar nicht bewusst, ich laufe einfach durch die Nacht und versuche jeden Schritt zu genießen. Nachts fühlte ich mich von friedlicher Stille umgeben, jetzt wird die Zivilisation sichtbar, Häuser, Dörfer, Stromleitungen, all das, was man nachts kaum wahrnimmt. Auf den Strassen regen sich Autos, für uns können die Strassen natürlich nicht mehr voll gesperrt werden, Die ersten Spaziergänger begegnen uns, Menschen sitzen vor ihren Häusern und frühstücken. Und ich Ich laufe immer noch. Mittlerweile habe ich Magen/Darm Probleme die nicht aufhören wollen. Wie lange laufe ich eigentlich schon? Ohne Uhr könnte ich es glaube ich gar nicht sagen, das Gefühl für Zeit habe ich verloren. Ich laufe einfach ohne mich um Zeiten und Kilometer zu  kümmern. Für die Streckenlänge fehlte mir sowieso jegliches Vorstellungsvermögen, was sind  100 KM? Mit dem Fahrrad bin ich schon mal 100 km gefahren, ich weiß was das bedeutet, aber 100 km laufen? Meine bisher längste Strecke war ein Marathon. Man stelle sich also vor, man läuft einen Marathon, dann noch einen und zum Abschluss noch einen halben! Alles sinnlos,  so was kann man sich einfach nicht vorstellen.   KM 059: Hier besteht die Möglichkeit, den Lauf mit einer gesonderten Zeitwertung zu beenden und sich mit einem Bus nach Biel zurückbringen zu lassen. Ich sehe, wie Fahrräder an einen Bus angehängt werden. Für mich und meinen Coach könnte jetzt alles so einfach sein! KM 060: Es folgt der Schrecken vieler Läufer, der berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad, aber der war genau so, wie ich mir das  aus alten Berichten abenteuerlich zusammenphantasiert hatte: dicht bewachsen, absolut dunkel (die Aufnahmen unten wurden am Tag gemacht !), wurzelig, steinig, holprig. Ein schmaler, einspuriger Pfad aus Naturboden, versetzt mit Steinen und Wurzeln. Dazu Gebüsch das oft in den Weg hineinragt! Links wird der Weg von einem rauschenden Bach, rechts von einem Auenwald begleitet. Mit meinem flüssigen Laufrhythmus war es nun auch vorbei. Ich lege die meisten Passagen wandernd zurück, das war auf jeden Fall sicherer als zu laufen. In der Ferne erahnt man die weißen Silhouetten der hohen Schweizer Alpenberge. Ohne Lampe hat man hier keine Chance durchzukommen.   KM 078: Irgendwann hatte es angefangen, mit jedem Schritt heller zu werden, die Vögel fingen an zu singen, der Mond ging rot hinter einem Waldstück unter, und es lag ein Dunstschleier über den Feldern, dem Acker  und Wäldern.   Am Ende des gefürchteten Ho-Chi-Minh-Pfad folgt wieder eine Versorgungsstelle. Ich spüre ein körperliches Tief, dass offensichtlich daher rührt, dass mein Körper seine eigenen Zuckervorräte (trotz Nahrungsaufnahme an den Versorgungsstellen) verbraucht hat. Die  meisten Probleme bereiten mir jetzt die enormen Magen/Darm Probleme. Auf den nächsten 15 KM mußte ich insgesamt sechs mal ?in die Büsche gehen". Die Geh Pausen werden immer größer, an ein konstantes Laufen ist nicht zu denken, die Schmerzen sind enorm. Bei KM 82 möchte ich abbrechen, die Schmerzen sind fast nicht mehr auszuhalten. Mein Coach versucht mich aufzumuntern, aber mir ist im Moment wirklich nicht zum lachen zumute. Mein gestecktes Ziel den ersten 100'er locker zu laufen" schminke ich mir mittlerweile ganz ab. Ich möchte hier raus, mich nicht mehr quälen. Jetzt hast Du schon 82 KM geschafft, jetzt kannst Du auch noch die restlichen 18 KM bewältigen" fordert mein Coach, und ich muß ihm zustimmen, die Beine sind noch locker, ich habe ansonsten keine anderen Probleme - also weitermachen ! KM 085: Von nun an ging's auf der Strecke wieder bergauf, aber mit mir stetig bergab, immer länger und häufiger wurden die Gehpausen.   Auf  2 KM Strecke verliert die Straße nun bis in die Ortschaft Arch über 100 Höhenmeter. Den Berg runter nach Arch lief ich soweit es ging, dabei wollte ich es hier so richtig rollen lassen. Alles in allem habe ich für die letzten 18 KM (zwischen dem letzten Kontrollpunkt in Gossliwil und dem Ziel) 2 Stunden und 24 Minuten gebraucht. SO hatte ich mir meinen ersten 100er nicht vorgestellt!   KM 090: Es ist jetzt kurz nach 08:00 Uhr und die Sonne steht mittlerweile erbarmungslos am Himmel. Es herrschen schon wieder 28° Grad und weit und breit gibt es kein Schattenstück zu sehen. KM 088 - 095: Noch liegen 12 Kilometer vor mir, die ich am liebsten aus meiner Erinnerung streichen möchte. Zunächst geht es auf frisch angelegten, staubigen Schotterwegen parallel zu einer  Autobahn, später durch die Gewerbegebiete am Stadtrand von Biel. Diese Umgebung motiviert nicht gerade dazu, letzte Kräfte zu mobilisieren.   Wozu auch? Auf zwei bis drei Minuten, die jetzt noch mit einem schnelleren Laufschritt gutzumachen wären, kommt es nicht an. Auch diese letzten Kilometer bringe ich überwiegend in einen zügigen Gehschritt hinter mich. Laufen ist das jetzt nicht mehr zu nennen. Den meisten anderen Läufern in meinem Umfeld geht es nicht anders. KM 095: Endlich habe ich die Gewissheit das ich mein Ziel erreichen werde. Mittlerweile kann ich wieder laufen, benötige keine Gehpausen mehr. Ich bin froh wenn ich diesen Lauf hinter mir habe. KM 099: Ich sehe in der Ferne die Eissporthalle, sehe den Zieleinlauf und höre einzelne Lautsprecheransagen. Jetzt noch einmal alles geben, den Vordermann überholen. Ich bringe es fertig und kann die letzten 600 Meter nochmals auf über 12 KM/h beschleunigen.  Woher habe ich plötzlich diese Energiereserven ? Ich biege in die  Zielgerade ein, am Rand meine Frau, Freunde und Bekannte - geschafft ! KM 100: Ich strecke den Daumen nach oben. Mein erster Ultramarathon - mein erster Hunderter!   Am Ende stehen bei mir 11 Stunden und 10 Minuten in der Ergebnisliste. Von den 1.922 Startern erreichten 1.196 Läuferinnen und Läufer die 100- KM-Distanz. Mit meinem Ergebnis  liege ich im ersten Drittel auf Platz 353. Der schnellste Mann hat die 100 KM in 7:07:23 Stunden gelaufen, der langsamste Teilnehmer hat das Ziel am Samstag Abend nach 21:55:10 Stunden erreicht. Unter den 185 Frauen benötigt die Siegerin 8:43:27 Stunden. Auf der Rückfahrt von Biel sehe ich noch viele Läuferinnen und Läufer neben der Autobahn laufen, die meisten davon mehr gehend wie laufend. Die armen müssen den Rest der Strecke in der prallen Sonne laufen, und das bei dieser Hitze (32° Grad). Nachts habe ich nicht viel mitbekommen, und genau da liegt für mich der Reiz am Nachtlauf, man kann sich ganz auf sich selbst konzentrieren und wird nicht so sehr von äußeren Eindrücken abgelenkt. Ob ich noch einmal an diesem Lauf teilnehme? Auf jeden Fall werde ich wieder in Biel starten. Sogar am Tag danach geht es mir blendend, meine Beine und Muskeln sind recht frisch und Muskelkater hat sich im normalen Rahmen eingestellt. Ich habe 100 KM am Stück zu Fuß zurückgelegt und es gibt Momente, in denen ich das noch gar nicht so richtig glauben kann. Ein ganz großes Danke  ! Das allergrößte Danke bekommt meine Frau die es mir mit Ihrer Rücksichtnahme und Fürsorge ermöglichte, daß ich mich für diesen Lauf vorbereiten konnte und die  mich an den Versorgungsstellen betreute und mir die ganze Zeit den Daumen gedrückt hat.   Und da wäre noch mein einzigartiges Begleitungs-Team bestehend aus Rolf, Sandra, Andy und Marc, ohne die ich das Ziel nicht erreicht hätte. Im "Background" waren noch Peter und Conny, die mich bei der (Tor)Tour im Auto begleitet haben.
Danke das Sie die Seite www.laufpirat.de besucht haben
100 KM - Biel 2003 - das Ende einer langen Lauf Nacht Durch irgend einen (dummen) Zufall habe ich vom 100KM Lauf von Biel gehört. Für dieses "Abenteuer" habe ich gezielt auf die Nacht der Nächte hintrainiert und so kam endlich was kommen mußte: Freitag, der 13. Juni 2003!   KM 000: Start soll um 22:00 Uhr sein (Zielschluss 20:00. Also 22 Stunden Zeit zum ankommen). Es gibt vier Teilstrecken, nach jeder kann man abbrechen und kommt trotzdem in die Wertung. Also geradezu ideal für den ersten "Ultramarathon". Man läuft einfach so weit man will oder kann und hört dann auf. Genau so hatte ich mir das auch vorgestellt. Viele Teilnehmer in Biel organisieren sich eine Radbegleitung und versorgen sich vom Fahrrad aus fast selbst. Gerade bei außergewöhnlichen Bedingungen ist die Hilfe von einem Coach ein enormer Vorteil. Bei Wärme jederzeit und in kleinen Mengen trinken zu können oder rasch was zum Anziehen parat zu haben wenn es kühler wird oder nach einem Regenschauer auf trockene Kleidung zu wechseln, das kann den entscheidenden Punkt zur Überlegenheit liefern. Um so mehr ist das Kunststück derer zu bewundern, die ganz auf sich gestellt die Strecke angehen. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Laufstart ist mein Coach Team mit dreihundert weiteren Radfahrern von der Polizei eskortiert auf einer gesperrten Straße in Richtung Aarberg aufgebrochen, um sich hier in das inzwischen auseinander gezogene Läuferfeld einzuordnen. 27° Grad am Start um 22:00 Uhr. Die Temperatur machte am Ende eines sehr heißen Tages allen  zu schaffen. Kaum zu glauben,  die Bedingungen im Vorjahr waren bedeutend besser und damals sprach man von einem Hitzerennen. Der Startschuss fällt pünktlich um 22:00 Uhr. Ich dachte, bei so  einem Lauf gehen nur die besten und durchtrainiertesten Läufer an den Start. Was für ein Irrtum, es sind alle Altersklassen vertreten, und vor allem alle Gewichtsklassen.   KM 005: Durch die Hitze wurde der Versorgungsstand bei Kilometer fünf regelrecht gestürmt. Trinken war das wichtigste Gebot um gut durch die Nacht zu kommen. Doch die aufgenommene Flüssigkeit  verursacht auch Probleme, nicht jeder Magen verträgt dies gut und selbst  Favoriten mussten mit Bauchschmerzen bzw. Magen- Darm Problemen aufgeben, andere quälten sich mit vielen Unterbrechungen über die Distanz. Der Vollmond taucht die Landschaft in ein schönes Licht, umspielt von der einzigartigen Dunkelheit der Nacht. Leider kühlte es einfach nicht ab, an einen einfachen angenehmen Lauf war nicht zu denken. KM 018: Nach 18 Kilometern macht sich der nächste Ort mit seiner Geräuschkulisse bemerkbar. Zunächst geht es über eine urige Holzbrücke mit einer kunstvoll verzierten Schindeldachkonstruktion. Wenige Meter dahinter folgt der  Marktplatz von Aarberg, der von liebevoll gepflegten alten Stadthäusern gesäumt wird. Es ist bereits tiefste Nacht, aber der Platz ist an diesem warmen Sommerabend  voll mit Menschen, die an langen Bank- und Tischreihen vor den Gastwirtschaften sitzen und  Bier trinken oder am Straßenrand stehen und den Läufern zu jubeln. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Gruppe "Hopp-Hopp" Ruferinnen, die richtig Stimmung verbreiteten, und gehörig Szenenapplaus aus Läuferreihen dafür kassierten. In Aarberg stießen auch die Radfahrer zu den Läufern. Ein Gutes hatte der Radtroß in der Dunkelheit: schon von Weitem konnte ich vor mir liegende Steigungen gut ausmachen, die wie an einer Kette aufgereihten Rücklichter wiesen mir den Weg bergauf. Unterwegs hatte ich eine angenehme Mischung aus Unterhaltungen und Ruhe, obwohl das Feld in den ersten Stunden noch relativ dicht war. Ich lief, genoß, flirtete mit dem Mond. Mir ging's (zu diesem Zeitpunkt) einfach nur gut. KM 030: An viele Details kann ich mich nicht mehr erinnern, der Lauf durch die Nacht war geprägt  durch Ruhe und Einsamkeit. Überwiegend Strassen, ein paar Feldwege. Weiter geht es, leicht wellig, ab und an auch eine richtige Steigung. An ein richtig steiles Stück kann ich mich erinnern. Meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt: "Wenn  von diesen Steigungen noch einige kommen, dann wird das niemals etwas mit den 100 KM".   An den gut ausgestatteten Verpflegungsstellen, die etwa alle 5 Kilometer eingerichtet sind,  halte ich mich immer nur kurz auf - vor den vorausgesagten 30°  Grad Hitze an nächsten Tag,  habe ich doch ganz schön Respekt. Neben Wasser werden Sportlertee und isotonische Getränke, an einigen Stationen auch Cola und Brühe angeboten; bei der festen Verpflegung reicht die Palette von Bananen-, Orangen-, Graubrot- und Kuchenstücke bis zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Müsliriegel sowie Cornflakes -artigen Flocken, die wohl mit Magnesium angereichert sind. An der Station angekommen also das übliche Ritual: Wasser trinken, Banane essen, Brot und einen Becher Wasser schnappen und im Weitergehen essen. Irgendwie bin ich einfach nur glücklich. Wie viele Stunden ich schon unterwegs bin ist mir gar nicht bewusst, ich laufe einfach durch die Nacht und versuche jeden Schritt zu genießen. Nachts fühlte ich mich von friedlicher Stille umgeben, jetzt wird die Zivilisation sichtbar, Häuser, Dörfer, Stromleitungen, all das, was man nachts kaum wahrnimmt. Auf den Strassen regen sich Autos, für uns können die Strassen natürlich nicht mehr voll gesperrt werden, Die ersten Spaziergänger begegnen uns, Menschen sitzen vor ihren Häusern und frühstücken. Und ich Ich laufe immer noch. Mittlerweile habe ich Magen/Darm Probleme die nicht aufhören wollen. Wie lange laufe ich eigentlich schon? Ohne Uhr könnte ich es glaube ich gar nicht sagen, das Gefühl für Zeit habe ich verloren. Ich laufe einfach ohne mich um Zeiten und Kilometer zu  kümmern. Für die Streckenlänge fehlte mir sowieso jegliches Vorstellungsvermögen, was sind  100 KM? Mit dem Fahrrad bin ich schon mal 100 km gefahren, ich weiß was das bedeutet, aber 100 km laufen? Meine bisher längste Strecke war ein Marathon. Man stelle sich also vor, man läuft einen Marathon, dann noch einen und zum Abschluss noch einen halben! Alles sinnlos,  so was kann man sich einfach nicht vorstellen.   KM 059: Hier besteht die Möglichkeit, den Lauf mit einer gesonderten Zeitwertung zu beenden und sich mit einem Bus nach Biel zurückbringen zu lassen. Ich sehe, wie Fahrräder an einen Bus angehängt werden. Für mich und meinen Coach könnte jetzt alles so einfach sein! KM 060: Es folgt der Schrecken vieler Läufer, der berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad, aber der war genau so, wie ich mir das  aus alten Berichten abenteuerlich zusammenphantasiert hatte: dicht bewachsen, absolut dunkel (die Aufnahmen unten wurden am Tag gemacht !), wurzelig, steinig, holprig. Ein schmaler, einspuriger Pfad aus Naturboden, versetzt mit Steinen und Wurzeln. Dazu Gebüsch das oft in den Weg hineinragt! Links wird der Weg von einem rauschenden Bach, rechts von einem Auenwald begleitet. Mit meinem flüssigen Laufrhythmus war es nun auch vorbei. Ich lege die meisten Passagen wandernd zurück, das war auf jeden Fall sicherer als zu laufen. In der Ferne erahnt man die weißen Silhouetten der hohen Schweizer Alpenberge. Ohne Lampe hat man hier keine Chance durchzukommen.   KM 078: Irgendwann hatte es angefangen, mit jedem Schritt heller zu werden, die Vögel fingen an zu singen, der Mond ging rot hinter einem Waldstück unter, und es lag ein Dunstschleier über den Feldern, dem Acker  und Wäldern.   Am Ende des gefürchteten Ho-Chi-Minh-Pfad folgt wieder eine Versorgungsstelle. Ich spüre ein körperliches Tief, dass offensichtlich daher rührt, dass mein Körper seine eigenen Zuckervorräte (trotz Nahrungsaufnahme an den Versorgungsstellen) verbraucht hat. Die  meisten Probleme bereiten mir jetzt die enormen Magen/Darm Probleme. Auf den nächsten 15 KM mußte ich insgesamt sechs mal ?in die Büsche gehen". Die Geh Pausen werden immer größer, an ein konstantes Laufen ist nicht zu denken, die Schmerzen sind enorm. Bei KM 82 möchte ich abbrechen, die Schmerzen sind fast nicht mehr auszuhalten. Mein Coach versucht mich aufzumuntern, aber mir ist im Moment wirklich nicht zum lachen zumute. Mein gestecktes Ziel den ersten 100'er locker zu laufen" schminke ich mir mittlerweile ganz ab. Ich möchte hier raus, mich nicht mehr quälen. Jetzt hast Du schon 82 KM geschafft, jetzt kannst Du auch noch die restlichen 18 KM bewältigen" fordert mein Coach, und ich muß ihm zustimmen, die Beine sind noch locker, ich habe ansonsten keine anderen Probleme - also weitermachen ! KM 085: Von nun an ging's auf der Strecke wieder bergauf, aber mit mir stetig bergab, immer länger und häufiger wurden die Gehpausen.   Auf  2 KM Strecke verliert die Straße nun bis in die Ortschaft Arch über 100 Höhenmeter. Den Berg runter nach Arch lief ich soweit es ging, dabei wollte ich es hier so richtig rollen lassen. Alles in allem habe ich für die letzten 18 KM (zwischen dem letzten Kontrollpunkt in Gossliwil und dem Ziel) 2 Stunden und 24 Minuten gebraucht. SO hatte ich mir meinen ersten 100er nicht vorgestellt!   KM 090: Es ist jetzt kurz nach 08:00 Uhr und die Sonne steht mittlerweile erbarmungslos am Himmel. Es herrschen schon wieder 28° Grad und weit und breit gibt es kein Schattenstück zu sehen. KM 088 - 095: Noch liegen 12 Kilometer vor mir, die ich am liebsten aus meiner Erinnerung streichen möchte. Zunächst geht es auf frisch angelegten, staubigen Schotterwegen parallel zu einer  Autobahn, später durch die Gewerbegebiete am Stadtrand von Biel. Diese Umgebung motiviert nicht gerade dazu, letzte Kräfte zu mobilisieren.   Wozu auch? Auf zwei bis drei Minuten, die jetzt noch mit einem schnelleren Laufschritt gutzumachen wären, kommt es nicht an. Auch diese letzten Kilometer bringe ich überwiegend in einen zügigen Gehschritt hinter mich. Laufen ist das jetzt nicht mehr zu nennen. Den meisten anderen Läufern in meinem Umfeld geht es nicht anders. KM 095: Endlich habe ich die Gewissheit das ich mein Ziel erreichen werde. Mittlerweile kann ich wieder laufen, benötige keine Gehpausen mehr. Ich bin froh wenn ich diesen Lauf hinter mir habe. KM 099: Ich sehe in der Ferne die Eissporthalle, sehe den Zieleinlauf und höre einzelne Lautsprecheransagen. Jetzt noch einmal alles geben, den Vordermann überholen. Ich bringe es fertig und kann die letzten 600 Meter nochmals auf über 12 KM/h beschleunigen.  Woher habe ich plötzlich diese Energiereserven ? Ich biege in die  Zielgerade ein, am Rand meine Frau, Freunde und Bekannte - geschafft ! KM 100: Ich strecke den Daumen nach oben. Mein erster Ultramarathon - mein erster Hunderter!   Am Ende stehen bei mir 11 Stunden und 10 Minuten in der Ergebnisliste. Von den 1.922 Startern erreichten 1.196 Läuferinnen und Läufer die 100- KM-Distanz. Mit meinem Ergebnis  liege ich im ersten Drittel auf Platz 353. Der schnellste Mann hat die 100 KM in 7:07:23 Stunden gelaufen, der langsamste Teilnehmer hat das Ziel am Samstag Abend nach 21:55:10 Stunden erreicht. Unter den 185 Frauen benötigt die Siegerin 8:43:27 Stunden. Auf der Rückfahrt von Biel sehe ich noch viele Läuferinnen und Läufer neben der Autobahn laufen, die meisten davon mehr gehend wie laufend. Die armen müssen den Rest der Strecke in der prallen Sonne laufen, und das bei dieser Hitze (32° Grad). Nachts habe ich nicht viel mitbekommen, und genau da liegt für mich der Reiz am Nachtlauf, man kann sich ganz auf sich selbst konzentrieren und wird nicht so sehr von äußeren Eindrücken abgelenkt. Ob ich noch einmal an diesem Lauf teilnehme? Auf jeden Fall werde ich wieder in Biel starten. Sogar am Tag danach geht es mir blendend, meine Beine und Muskeln sind recht frisch und Muskelkater hat sich im normalen Rahmen eingestellt. Ich habe 100 KM am Stück zu Fuß zurückgelegt und es gibt Momente, in denen ich das noch gar nicht so richtig glauben kann. Ein ganz großes Danke  ! Das allergrößte Danke bekommt meine Frau die es mir mit Ihrer Rücksichtnahme und Fürsorge ermöglichte, daß ich mich für diesen Lauf vorbereiten konnte und die  mich an den Versorgungsstellen betreute und mir die ganze Zeit den Daumen gedrückt hat.   Und da wäre noch mein einzigartiges Begleitungs-Team bestehend aus Rolf, Sandra, Andy und Marc, ohne die ich das Ziel nicht erreicht hätte. Im "Background" waren noch Peter und Conny, die mich bei der (Tor)Tour im Auto begleitet haben.
Danke das Sie die Seite www.laufpirat.de besucht haben
Menü Menü
100 KM - Biel 2003 - das Ende einer langen Lauf Nacht Durch irgend einen (dummen) Zufall habe ich vom 100KM Lauf von Biel gehört. Für dieses "Abenteuer" habe ich gezielt auf die Nacht der Nächte hintrainiert und so kam endlich was kommen mußte: Freitag, der 13. Juni 2003!   KM 000: Start soll um 22:00 Uhr sein (Zielschluss 20:00. Also 22 Stunden Zeit zum ankommen). Es gibt vier Teilstrecken, nach jeder kann man abbrechen und kommt trotzdem in die Wertung. Also geradezu ideal für den ersten "Ultramarathon". Man läuft einfach so weit man will oder kann und hört dann auf. Genau so hatte ich mir das auch vorgestellt. Viele Teilnehmer in Biel organisieren sich eine Radbegleitung und versorgen sich vom Fahrrad aus fast selbst. Gerade bei außergewöhnlichen Bedingungen ist die Hilfe von einem Coach ein enormer Vorteil. Bei Wärme jederzeit und in kleinen Mengen trinken zu können oder rasch was zum Anziehen parat zu haben wenn es kühler wird oder nach einem Regenschauer auf trockene Kleidung zu wechseln, das kann den entscheidenden Punkt zur Überlegenheit liefern. Um so mehr ist das Kunststück derer zu bewundern, die ganz auf sich gestellt die Strecke angehen. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Laufstart ist mein Coach Team mit dreihundert weiteren Radfahrern von der Polizei eskortiert auf einer gesperrten Straße in Richtung Aarberg aufgebrochen, um sich hier in das inzwischen auseinander gezogene Läuferfeld einzuordnen. 27° Grad am Start um 22:00 Uhr. Die Temperatur machte am Ende eines sehr heißen Tages allen  zu schaffen. Kaum zu glauben,  die Bedingungen im Vorjahr waren bedeutend besser und damals sprach man von einem Hitzerennen. Der Startschuss fällt pünktlich um 22:00 Uhr. Ich dachte, bei so  einem Lauf gehen nur die besten und durchtrainiertesten Läufer an den Start. Was für ein Irrtum, es sind alle Altersklassen vertreten, und vor allem alle Gewichtsklassen.   KM 005: Durch die Hitze wurde der Versorgungsstand bei Kilometer fünf regelrecht gestürmt. Trinken war das wichtigste Gebot um gut durch die Nacht zu kommen. Doch die aufgenommene Flüssigkeit  verursacht auch Probleme, nicht jeder Magen verträgt dies gut und selbst  Favoriten mussten mit Bauchschmerzen bzw. Magen- Darm Problemen aufgeben, andere quälten sich mit vielen Unterbrechungen über die Distanz. Der Vollmond taucht die Landschaft in ein schönes Licht, umspielt von der einzigartigen Dunkelheit der Nacht. Leider kühlte es einfach nicht ab, an einen einfachen angenehmen Lauf war nicht zu denken. KM 018: Nach 18 Kilometern macht sich der nächste Ort mit seiner Geräuschkulisse bemerkbar. Zunächst geht es über eine urige Holzbrücke mit einer kunstvoll verzierten Schindeldachkonstruktion. Wenige Meter dahinter folgt der  Marktplatz von Aarberg, der von liebevoll gepflegten alten Stadthäusern gesäumt wird. Es ist bereits tiefste Nacht, aber der Platz ist an diesem warmen Sommerabend  voll mit Menschen, die an langen Bank- und Tischreihen vor den Gastwirtschaften sitzen und  Bier trinken oder am Straßenrand stehen und den Läufern zu jubeln. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Gruppe "Hopp-Hopp" Ruferinnen, die richtig Stimmung verbreiteten, und gehörig Szenenapplaus aus Läuferreihen dafür kassierten. In Aarberg stießen auch die Radfahrer zu den Läufern. Ein Gutes hatte der Radtroß in der Dunkelheit: schon von Weitem konnte ich vor mir liegende Steigungen gut ausmachen, die wie an einer Kette aufgereihten Rücklichter wiesen mir den Weg bergauf. Unterwegs hatte ich eine angenehme Mischung aus Unterhaltungen und Ruhe, obwohl das Feld in den ersten Stunden noch relativ dicht war. Ich lief, genoß, flirtete mit dem Mond. Mir ging's (zu diesem Zeitpunkt) einfach nur gut. KM 030: An viele Details kann ich mich nicht mehr erinnern, der Lauf durch die Nacht war geprägt  durch Ruhe und Einsamkeit. Überwiegend Strassen, ein paar Feldwege. Weiter geht es, leicht wellig, ab und an auch eine richtige Steigung. An ein richtig steiles Stück kann ich mich erinnern. Meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt: "Wenn  von diesen Steigungen noch einige kommen, dann wird das niemals etwas mit den 100 KM".   An den gut ausgestatteten Verpflegungsstellen, die etwa alle 5 Kilometer eingerichtet sind,  halte ich mich immer nur kurz auf - vor den vorausgesagten 30°  Grad Hitze an nächsten Tag,  habe ich doch ganz schön Respekt. Neben Wasser werden Sportlertee und isotonische Getränke, an einigen Stationen auch Cola und Brühe angeboten; bei der festen Verpflegung reicht die Palette von Bananen-, Orangen-, Graubrot- und Kuchenstücke bis zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Müsliriegel sowie Cornflakes -artigen Flocken, die wohl mit Magnesium angereichert sind. An der Station angekommen also das übliche Ritual: Wasser trinken, Banane essen, Brot und einen Becher Wasser schnappen und im Weitergehen essen. Irgendwie bin ich einfach nur glücklich. Wie viele Stunden ich schon unterwegs bin ist mir gar nicht bewusst, ich laufe einfach durch die Nacht und versuche jeden Schritt zu genießen. Nachts fühlte ich mich von friedlicher Stille umgeben, jetzt wird die Zivilisation sichtbar, Häuser, Dörfer, Stromleitungen, all das, was man nachts kaum wahrnimmt. Auf den Strassen regen sich Autos, für uns können die Strassen natürlich nicht mehr voll gesperrt werden, Die ersten Spaziergänger begegnen uns, Menschen sitzen vor ihren Häusern und frühstücken. Und ich Ich laufe immer noch. Mittlerweile habe ich Magen/Darm Probleme die nicht aufhören wollen. Wie lange laufe ich eigentlich schon? Ohne Uhr könnte ich es glaube ich gar nicht sagen, das Gefühl für Zeit habe ich verloren. Ich laufe einfach ohne mich um Zeiten und Kilometer zu  kümmern. Für die Streckenlänge fehlte mir sowieso jegliches Vorstellungsvermögen, was sind  100 KM? Mit dem Fahrrad bin ich schon mal 100 km gefahren, ich weiß was das bedeutet, aber 100 km laufen? Meine bisher längste Strecke war ein Marathon. Man stelle sich also vor, man läuft einen Marathon, dann noch einen und zum Abschluss noch einen halben! Alles sinnlos,  so was kann man sich einfach nicht vorstellen.   KM 059: Hier besteht die Möglichkeit, den Lauf mit einer gesonderten Zeitwertung zu beenden und sich mit einem Bus nach Biel zurückbringen zu lassen. Ich sehe, wie Fahrräder an einen Bus angehängt werden. Für mich und meinen Coach könnte jetzt alles so einfach sein! KM 060: Es folgt der Schrecken vieler Läufer, der berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad, aber der war genau so, wie ich mir das  aus alten Berichten abenteuerlich zusammenphantasiert hatte: dicht bewachsen, absolut dunkel (die Aufnahmen unten wurden am Tag gemacht !), wurzelig, steinig, holprig. Ein schmaler, einspuriger Pfad aus Naturboden, versetzt mit Steinen und Wurzeln. Dazu Gebüsch das oft in den Weg hineinragt! Links wird der Weg von einem rauschenden Bach, rechts von einem Auenwald begleitet. Mit meinem flüssigen Laufrhythmus war es nun auch vorbei. Ich lege die meisten Passagen wandernd zurück, das war auf jeden Fall sicherer als zu laufen. In der Ferne erahnt man die weißen Silhouetten der hohen Schweizer Alpenberge. Ohne Lampe hat man hier keine Chance durchzukommen.   KM 078: Irgendwann hatte es angefangen, mit jedem Schritt heller zu werden, die Vögel fingen an zu singen, der Mond ging rot hinter einem Waldstück unter, und es lag ein Dunstschleier über den Feldern, dem Acker  und Wäldern.   Am Ende des gefürchteten Ho-Chi-Minh-Pfad folgt wieder eine Versorgungsstelle. Ich spüre ein körperliches Tief, dass offensichtlich daher rührt, dass mein Körper seine eigenen Zuckervorräte (trotz Nahrungsaufnahme an den Versorgungsstellen) verbraucht hat. Die  meisten Probleme bereiten mir jetzt die enormen Magen/Darm Probleme. Auf den nächsten 15 KM mußte ich insgesamt sechs mal ?in die Büsche gehen". Die Geh Pausen werden immer größer, an ein konstantes Laufen ist nicht zu denken, die Schmerzen sind enorm. Bei KM 82 möchte ich abbrechen, die Schmerzen sind fast nicht mehr auszuhalten. Mein Coach versucht mich aufzumuntern, aber mir ist im Moment wirklich nicht zum lachen zumute. Mein gestecktes Ziel den ersten 100'er locker zu laufen" schminke ich mir mittlerweile ganz ab. Ich möchte hier raus, mich nicht mehr quälen. Jetzt hast Du schon 82 KM geschafft, jetzt kannst Du auch noch die restlichen 18 KM bewältigen" fordert mein Coach, und ich muß ihm zustimmen, die Beine sind noch locker, ich habe ansonsten keine anderen Probleme - also weitermachen ! KM 085: Von nun an ging's auf der Strecke wieder bergauf, aber mit mir stetig bergab, immer länger und häufiger wurden die Gehpausen.   Auf  2 KM Strecke verliert die Straße nun bis in die Ortschaft Arch über 100 Höhenmeter. Den Berg runter nach Arch lief ich soweit es ging, dabei wollte ich es hier so richtig rollen lassen. Alles in allem habe ich für die letzten 18 KM (zwischen dem letzten Kontrollpunkt in Gossliwil und dem Ziel) 2 Stunden und 24 Minuten gebraucht. SO hatte ich mir meinen ersten 100er nicht vorgestellt!   KM 090: Es ist jetzt kurz nach 08:00 Uhr und die Sonne steht mittlerweile erbarmungslos am Himmel. Es herrschen schon wieder 28° Grad und weit und breit gibt es kein Schattenstück zu sehen. KM 088 - 095: Noch liegen 12 Kilometer vor mir, die ich am liebsten aus meiner Erinnerung streichen möchte. Zunächst geht es auf frisch angelegten, staubigen Schotterwegen parallel zu einer  Autobahn, später durch die Gewerbegebiete am Stadtrand von Biel. Diese Umgebung motiviert nicht gerade dazu, letzte Kräfte zu mobilisieren.   Wozu auch? Auf zwei bis drei Minuten, die jetzt noch mit einem schnelleren Laufschritt gutzumachen wären, kommt es nicht an. Auch diese letzten Kilometer bringe ich überwiegend in einen zügigen Gehschritt hinter mich. Laufen ist das jetzt nicht mehr zu nennen. Den meisten anderen Läufern in meinem Umfeld geht es nicht anders. KM 095: Endlich habe ich die Gewissheit das ich mein Ziel erreichen werde. Mittlerweile kann ich wieder laufen, benötige keine Gehpausen mehr. Ich bin froh wenn ich diesen Lauf hinter mir habe. KM 099: Ich sehe in der Ferne die Eissporthalle, sehe den Zieleinlauf und höre einzelne Lautsprecheransagen. Jetzt noch einmal alles geben, den Vordermann überholen. Ich bringe es fertig und kann die letzten 600 Meter nochmals auf über 12 KM/h beschleunigen.  Woher habe ich plötzlich diese Energiereserven ? Ich biege in die  Zielgerade ein, am Rand meine Frau, Freunde und Bekannte - geschafft ! KM 100: Ich strecke den Daumen nach oben. Mein erster Ultramarathon - mein erster Hunderter!   Am Ende stehen bei mir 11 Stunden und 10 Minuten in der Ergebnisliste. Von den 1.922 Startern erreichten 1.196 Läuferinnen und Läufer die 100- KM-Distanz. Mit meinem Ergebnis  liege ich im ersten Drittel auf Platz 353. Der schnellste Mann hat die 100 KM in 7:07:23 Stunden gelaufen, der langsamste Teilnehmer hat das Ziel am Samstag Abend nach 21:55:10 Stunden erreicht. Unter den 185 Frauen benötigt die Siegerin 8:43:27 Stunden. Auf der Rückfahrt von Biel sehe ich noch viele Läuferinnen und Läufer neben der Autobahn laufen, die meisten davon mehr gehend wie laufend. Die armen müssen den Rest der Strecke in der prallen Sonne laufen, und das bei dieser Hitze (32° Grad). Nachts habe ich nicht viel mitbekommen, und genau da liegt für mich der Reiz am Nachtlauf, man kann sich ganz auf sich selbst konzentrieren und wird nicht so sehr von äußeren Eindrücken abgelenkt. Ob ich noch einmal an diesem Lauf teilnehme? Auf jeden Fall werde ich wieder in Biel starten. Sogar am Tag danach geht es mir blendend, meine Beine und Muskeln sind recht frisch und Muskelkater hat sich im normalen Rahmen eingestellt. Ich habe 100 KM am Stück zu Fuß zurückgelegt und es gibt Momente, in denen ich das noch gar nicht so richtig glauben kann. Ein ganz großes Danke  ! Das allergrößte Danke bekommt meine Frau die es mir mit Ihrer Rücksichtnahme und Fürsorge ermöglichte, daß ich mich für diesen Lauf vorbereiten konnte und die  mich an den Versorgungsstellen betreute und mir die ganze Zeit den Daumen gedrückt hat.   Und da wäre noch mein einzigartiges Begleitungs-Team bestehend aus Rolf, Sandra, Andy und Marc, ohne die ich das Ziel nicht erreicht hätte.
Danke das Sie die Seite www.laufpirat.de besucht haben